Vierte Stunde: Geldunterricht

Im Alltag sind wir ständig finanziellen Entscheidungen ausgesetzt – sei es beim Handy-Vertrag oder einer Finanzierung. Finanzwissen wird in Deutschland allerding nur stiefmütterlich behandelt. Weniger als die Hälfte der Deutschen bezeichnen ihre Kenntnisse im Bereich Finanzen als gut, 40 Prozent kennen sich mittelmäßig aus – das ergab eine repräsentative Studie von Swiss Life1. Und das, obwohl 78 Prozent das Thema für eher oder sogar sehr wichtig halten.

Für die „Geldlehrer“, die ihr Finanzwissen ehrenamtlich an Schulen vermitteln, ein nicht akzeptabler Zustand. Der gemeinnützige Verein Geldlehrer e.V. hat es sich daher zum Auftrag gemacht, Jugendlichen eine finanzielle Bildung zu ermöglichen, damit sie im Leben bessere Geldentscheidungen treffen können.

Diese Motivation teilen auch acht frisch zertifizierte „Geldlehrer“, die hauptberuflich als Finanzberater für Swiss Life Select tätig sind. Sie nahmen Ende Mitte April an der dreitägigen Ausbildung in Hannover teil. Die Swiss Life Stiftung für Chancenreichtum und Zukunft fördert dieses gesellschaftliche Engagement und unterstützt die Ehrenamtlichen auf ihrem Weg an die Schulen.

Denn beim Thema Finanzen müssen viele Schüler passen. Garantiezins, Darlehen oder Inflationsrate sind für sie Fremdwörter, die im Lehrplan keine Erwähnung finden. Mit fatalen Folgen. Denn wer in jungen Jahren zu wenig über Geldanlagen lernt, hat es schwerer, rechtzeitig für seine Zukunft vorzusorgen.

Doch zwischen einem routinierten Beratungsgespräch mit Kunden und der Gestaltung eines Doppelunterrichts mit Neun- oder Zehntklässlern über ein ganzes Schuljahr hinweg liegen Welten. Neben Finanzmathematik geht es in der Geldlehrer-Ausbildung vor allem darum, sich hilfreiche didaktische Fähigkeiten anzueignen. Nach theoretischer und praktischer Abschlussprüfung sind alle Teilnehmer in der Lage, ihren eigenen (Finanz-)Unterricht vorzubereiten und komplexe Themenbereiche wie Inflation, Altersvorsoge oder Kreditkauf verständlich und erlebbar zu vermitteln.

Die Idee zu Geldlehrer e.V entstand durch den Gründer und Vereinsvorsitzenden Grischa Schulz 2008 bei einem „Schlüsselmoment“. Seine damals 16-jährige Tochter eröffnete für ihren Ferienjob ein Girokonto und kam aus der Bank mit einem zusätzlichen 50.000-Euro-Bausparvertrag zurück. Die Verärgerung war groß. Am meisten ärgerte sich der Familienvater jedoch über sich selbst, denn er hätte seine Tochter besser vorbereiten sollen. Dieses Ereignis nahm er zum Anlass, sich künftig für Finanzbildung an Schulen einzusetzen, damit Heranwachsende lernen, selbstbestimmt mit Geldfragen umzugehen.

„Für mich war es schon lange ein Wunsch, mein Wissen jungen Menschen mit auf den Weg zu geben, damit sie im Leben die richtigen finanziellen Entscheidungen treffen. Durch die professionelle Aufstellung von Geldlehrer e.V. ist dafür jetzt eine solide Basis geschaffen worden“, sagt Alexander Hanisch, Finanzberater Swiss Life Select.

In der Anfangszeit stehen den Finanzexperten erfahrene Geldlehrer aus ihrer Region als Mentoren zur Seite. Ziel soll sein, noch in diesem Jahr eine Kooperationsschule zu finden, um dann im Schuljahr 2019 den ersten Geldunterricht, ergänzend zum Schulunterricht, anzubieten.

„Als Finanzdienstleister helfen wir unseren Kunden, bestmöglich vorzusorgen. Doch finanzielle Aufklärung fängt bereits in der Schule an. Nur dann können junge Menschen selbstbestimmt leben. Umso mehr freut es mich, dass sich so viele Finanzberater ehrenamtlich als Geldlehrer engagieren. Sie leisten damit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag“, sagt Stefan Kuehl, Geschäftsführer von Swiss Life Select.

Fünf Fragen an Grischa Schulz, Gründer und Vorsitzender Geldlehrer e.V.

Was haben die Teilnehmer von einem so zeitaufwändigen Ehrenamt?

Es gibt Menschen, die etwas tun, ohne etwas dafür zu erwarten – das ist die Natur eines Ehrenamts. Ehrenämter entstehen überall da, wo öffentliche Institutionen eine solche Arbeit aus verschiedenen Gründen nicht mehr leisten können. Das zugrunde liegende Prinzip ist hier „Geben und Nehmen“ als eines der ältesten, sozialen Grundregeln im Zusammenleben der Menschen. In unserer oft kurzfristig denkenden und auf messbaren monetären Nutzen ausgerichteten Gesellschaft galt dies lange als überholt, gewinnt aber im Zuge der allgemeinen Werte-Diskussion zunehmend wieder an Bedeutung. Insbesondere für Finanzberater ist dies ein sehr interessanter Ansatz, der zu neuen Sichtweisen führen kann.

Wie wird die didaktische Qualität des Geldunterrichts gewährleistet?
Zum einen durch freiwillige Seminare, die unsere Geldlehrer vor einer Zulassung durchlaufen müssen. In diesen mehrtägigen Veranstaltungen werden die Geldlehrer in den Bereichen Pädagogik, Didaktik und Methodenkompetenz zielgerichtet geschult. Zum anderen haben uns erfahrene Pädagogen bei der Ausarbeitung unseres Unterrichtsleitfadens beraten. Wir verfügen daher über sehr hohe Standards, die für eine Zulassung als Geldlehrer obligatorisch eingehalten werden.

Wie verhindern Geldlehrer e.V. Interessenskonflikte, die durch den beruflichen Hintergrund entstehen können?
Jeder Geldlehrer hat sich einem Verhaltens- und Ehrenkodex unterworfen und diesen unterschrieben. Sollte er dagegen verstoßen, führt das zum sofortigen Ausschluss aus dem Verein. Dies wird streng geprüft. Wir haben uns bereits von Personen getrennt, die diesen hohen Standard nicht halten konnten. Zudem wird auch die Persönlichkeit der Bewerber in den vorausgehenden Interviews genau angesehen, um eine Interessengleichheit, die mit dem ehrenamtlichen Engagement einhergeht, sicherzustellen.

Was können Geldlehrer, was der Lehrer vor Ort nicht kann?
Geldlehrer bringen in den Geldunterricht einen hohen Praxisbezug ein. Wir wollen kein Substitut für den Sachkunde- oder Wirtschaftsunterricht sein, sondern deren Inhalte erlebbar mit konkreten Lebenssituationen aus zukünftigen Geldentscheidungen ergänzen.

¹Alle Daten, soweit nicht anders angegeben, sind von der YouGov Deutschland GmbH bereitgestellt. An der Befragung zwischen dem 25.08. und dem 28.08.2017 nahmen 2.067 Personen teil. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung (Alter 18+).