Mehr als eine gesunde Mahlzeit

Das Ergebnis des Förderpreises 2021 der Swiss Life Stiftung hatte einen klaren Sieger: Der gemeinnützige Verein brotZeit e.V., der bedürftige Kinder vor Unterrichtsbeginn in ihren Schulen mit einem gesunden Frühstück versorgt, konnte die meisten Mitarbeitenden sowie Vertriebspartner und -partnerinnen überzeugen. Hier stellen wir Ihnen das Gewinnerprojekt näher vor.

Marianne Klaus ist Frühaufsteherin. Wenn nicht gerade eine Pandemie das Tagesgeschehen beherrscht, betritt die 72-jährige Nürnbergerin morgens um 7 Uhr das Förderzentrum in ihrem Wohnviertel – lange, bevor die ersten Kinder und Jugendlichen kommen. Gemeinsam mit zwei weiteren Ehrenamtlichen bereitet sie dann das Frühstück für 35 bis 40 Schülerinnen und Schüler vor, die sonst den ganzen Vormittag über hungrig bleiben müssten. Die drei Frauen schneiden mehrere Laibe Brot auf, decken die Tische ein, bereiten Geflügelwurst und Käse, Joghurt und Äpfel, Saft und warmen Kakao vor. „Wir kommen so früh, damit wir mit allem fertig sind, wenn die ersten Kinder in die Schule kommen“, erzählt die pensionierte Buchhändlerin. „Denn genauso wichtig wie das Essen an sich sind die Gespräche morgens. Für viele sind wir die ersten Ansprechpartner des Tages. Die Kinder kommen aus schwierigen Verhältnissen. Ich kenne einen kleinen Jungen, der morgens um 6 Uhr aufsteht, den Hund der Familie ausführt, seine kleinen Geschwister anzieht und in die Kita bringt und dann direkt zu uns kommt – ohne Frühstück, ohne Zuwendung. Dabei ist er selbst noch im Grundschulalter. Für ihn wie für viele andere geht es hier um viel mehr als eine Mahlzeit, auch wenn das gesunde Essen natürlich sehr wichtig ist.“

Pandemiezeit ist Tütenzeit

Jetzt, während der Pandemie, läuft zwangsläufig vieles anders. Die Kinder dürfen nicht mehr alle gemeinsam frühstücken und kommen daher auch nicht mehr zwischen 7.30 Uhr und 8.15 Uhr, also vor Unterrichtsbeginn, sondern erst in der ersten Pause um 9 Uhr. Bis dahin schmiert die Frühstückshelferin, die nun an einem oder zwei Tagen pro Woche allein Dienst hat, 60 bis 65 Brote und packt diese in Tüten. Das Obst gibt es am Stück, die Getränke im Tetrapak, den Joghurt im Einzelbecher. In der Pause kommen die Kinder klassenweise, holen ihr Essen ab und verschwinden wieder in ihre Unterrichtsräume, um die Kontakte zu den anderen Klassen bestmöglich einzuschränken. „Der Aufwand ist für uns jetzt deutlich größer“, räumt Marianne Klaus ein, „auch wegen der Desinfektionsmaßnahmen. Aber wir sind froh, dass wir das Frühstück dennoch weiterhin anbieten können.“ Traurig ist die Seniorin darüber, dass die zusätzliche Leseförderung, die sie einigen ihrer jungen Schützlinge normalerweise angedeihen lässt, momentan leider ausfallen muss. „Das ist sehr schade, denn viele der Jungen und Mädchen bekommen zu Hause überhaupt keine Hilfe.“

Volle Transparenz

Dass der brotZeit e.V. jetzt den Förderpreis der Swiss Life Stiftung gewinnen konnte, ist vor allem ihm zu verdanken: Marco Sagerer. Der selbstständige Finanzberater ist seit 2018 Teil des Swiss Life Select Teams. Für die Stiftung spendet er seit fast zwei Jahren – seitdem er sie Anfang 2020 bei einer Vertriebsveranstaltung in Hannover näher kennengelernt hat. „Als ich dort gesehen habe, was die Stiftung alles macht und wie sehr auch kleinere Projekte in den Regionen von dieser Arbeit profitieren können, wollte ich unbedingt helfen.“

Über einen Swiss Life Select Kollegen aus München lernte Marco Sagerer schließlich Marie Sedlmayr aus dem Fundraising-Team des brotZeit e.V. kennen. „Ich habe selbst zwei Kinder“, erzählt der Finanzberater. „Die sind zwar noch nicht in der Schule – aber es berührt mich als Vater umso mehr, mir vorzustellen, dass Kinder morgens hungrig aus dem Haus gehen müssen.“ Schnell sei deshalb die Entscheidung gefallen, dieses besondere Projekt für den Förderpreis 2021 einzureichen. Dass ausgerechnet sein Projekt nun gewonnen hat, kann Marco Sagerer immer noch kaum fassen. „Ich freue mich riesig, dass nun noch mehr Kinder unterstützt werden können! Und ich habe unmittelbar erlebt, dass ich in meiner Region etwas bewegen kann. Gleichzeitig hat mich die glasklare Transparenz überzeugt, mit der das Ganze ablief, von der Ausschreibung bis zur Ermittlung der Gewinner. Das spornt mich an, mich künftig noch mehr zu engagieren.“

„Die Kinder liegen mir am Herzen“

Marianne Klaus kennt brotZeit schon etwas länger. Doch zuerst begegnete sie den Lehrern und Schülern des Förderzentrums im Rahmen eines Theaterprojektes: Vor einigen Jahren wurden theateraffine Erwachsene gesucht, die gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen ein Stück einstudieren und zur Aufführung bringen sollten. Marianne Klaus, die sich nach einem Jahr im Ruhestand inzwischen nach neuen Aufgaben sehnte und zudem selbst begeistert Theater spielt, sagte zu – und verliebte sich sofort in die Schule und ihre Menschen. Nach dem Ende des Projektes bot sie dem Kollegium an, bei Bedarf wieder zur Verfügung zu stehen – und wenig später kam auch schon der Anruf: Das Förderzentrum hatte sich bei brotZeit angemeldet und suchte nun dringend ehrenamtliche Frühstückshelfer.

Das ist inzwischen fünf Jahre her – aber ans Aufhören denkt Marianne Klaus noch lange nicht. „Ich bleibe auf jeden Fall dabei, auch wenn die Arbeit gerade jetzt viel Flexibilität erfordert. Die Lehrerinnen und Lehrer sind so engagiert, und auch wir Frühstückshelferinnen sind zu einem tollen Team zusammengewachsen. Und die Kinder liegen mir sehr am Herzen. Ich lerne sie wirklich kennen, höre Geschichten aus ihrem Leben, treffe sie hier im Viertel mit ihren Familien. Viele von ihnen haben es schwer, aber bei uns fühlen sie sich willkommen, finden ein offenes Ohr. Wer weiß – vielleicht gelingt es uns sogar, ihnen etwas mitzugeben für den Moment, in dem sie dann hinausgehen ins Leben.“