Eltern in Ausbildung als Win-win-Situation

Initiative JOBLINGE vermittelt Erziehende in Ausbildung

Stefanie Baic, Leitung Business Development

Seit 2017 unterstützen wir die gemeinnützige Initiative JOBLINGE in München. Um die Lücke zwischen Herkunft und Zukunft zu schließen, setzt sich die Organisation in der bayerischen Landeshauptstadt und an über 30 weiteren Standorten bundesweit für junge Leute mit schwierigen Startbedingungen ein. Der Erfolg spricht für sich: Durch professionelle Qualifizierungsprogramme, ehrenamtliches Mentoring und Begleitung während der Ausbildung schafften im Laufe der letzten zwölf Jahre mehr als 7.000 junge Teilnehmende, was zuvor unerreichbar schien: den Einstieg in ein geregeltes Arbeitsleben. Eine Zielgruppe, die JOBLINGE an einigen Standorten seit 2019 besonders fördert, ist die der jungen Erziehenden. Zu diesem Projekt haben wir Stefanie Baic, Leitung Business Development, interviewt.

Warum gibt es das Projekt „JOBLINGE für junge Eltern“?

Über eine halbe Million junger Mütter und Väter unter 35 sind abhängig von staatlichen Leistungen. Viele haben keine Ausbildung – der Start ins Berufsleben wird zu einem Hürdenlauf, der mit der Familienverantwortung nur schwer zu meistern ist. Wir wollen diese jungen Eltern ermutigen, ihnen ihre Chancen aufzeigen und gemeinsam Perspektiven erarbeiten. Dafür verbinden wir unsere jahrelange Erfahrung beim Arbeitsmarkteinstieg und unser starkes Unternehmensnetzwerk mit den Zugängen und Wissen unserer Netzwerkpartner, die diese jungen Familien unterstützen

Mit welchen Herausforderungen haben junge Eltern bei der Ausbildungssuche zu kämpfen?

Da ist zunächst oft eine große Verunsicherung: Bin ich noch attraktiv für den Arbeitsmarkt? Schaffe ich es, Kind und Ausbildung zu vereinbaren? Wie wirkt sich das auf die (oft knappen) Finanzen aus? Häufig fehlen Rollenvorbilder oder die Unterstützung aus dem eigenen Umfeld. Dann stellt sich die Frage nach der Kinderbetreuung. Auch hier sind große Hürden zu überwinden: Noch immer gibt es zu wenig Kinderbetreuungsmöglichkeiten und oft werden die, die noch keinen Arbeitgeber haben, nachrangig behandelt. Diejenigen, die diese Hindernisse überwunden haben, stehen vor der Herausforderung, ein familienfreundliches Unternehmen zu finden, das auch eine Ausbildung in Teilzeit ermöglicht.

Welchen Ansatz verfolgt JOBLINGE, um Erziehende erfolgreich in Ausbildung zu vermitteln?

Wir aktivieren junge Eltern über unsere Netzwerkpartner oder über Direktansprachen, noch bevor die Elternzeit zu Ende ist, um ihnen frühzeitig einen (Wieder-)Einstieg zu ermöglichen. Wir ermutigen über Rollenvorbilder, zeigen Chancen auf und bieten konkrete, kurzfristige Unterstützung an – übrigens auch bei der Betreuungsplatzsuche. Unsere Unterstützung erfolgt zunächst über ein flexibles und digitales Coaching, das berufsorientierende Elemente und konkrete Bewerbungsvorbereitung mit eltern-spezifischen Themen wie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbindet. Je nach weiterem Unterstützungsbedarf ist anschließend auch eine Teilnahme am intensiveren JOBLINGE Programm möglich.

Welche besonderen Fähigkeiten, die wertvoll im Berufsleben sind, bringen junge Erziehende mit?

Junge Eltern sind meist besonders gut organisiert. Sie schaffen es, viele Dinge gleichzeitig im Blick zu behalten und in einer strukturieren Art und Weise abzuarbeiten. Außerdem bringen sie oft ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein mit und eine große Motivation. Schließlich wollen sie durch ihre berufliche Karriere auch ihren Kindern eine Chance bieten. Nicht zuletzt gewinnen Arbeitgeber oft sehr loyale und zuverlässige Mitarbeitende.

Wie geht es mit dem Projekt weiter?

Im nächsten Schritt wollen wir die Unternehmen stärker mit einbeziehen und dabei auch auf unser großes Unternehmensnetzwerk aufbauen: für junge Menschen mit Familienverantwortung brauchen wir flexiblere Modelle in der Ausbildung. Eine Chance sehen wir in der Möglichkeit der Teilzeitausbildung. Dieses Modell wird allerdings in der Praxis kaum genutzt, nur 0,4 Prozent der Ausbildungsverträge werden derzeit in Teilzeit abgeschlossen, hier gibt es wenig Bewegung. Dabei sehen wir gerade jetzt in der Corona-Pandemie, dass es sich für Unternehmen lohnen kann, sich familienbewusst aufzustellen: laut einer Studie des Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ sind familienfreundliche Unternehmen besser mit den Anforderungen an die Flexibilität klargekommen.