Swiss Life Förderpreis 2019: Die Gewinner stehen fest

Bereits zum dritten Mal zeichnet der Swiss Life Förderpreis wertvolle Initiativen aus, die sich mit ihrer Arbeit für Bildung und Chancengleichheit einsetzen und damit Brücken bauen. Gleich fünf Organisationen konnten sich in diesem Jahr über ein Fördergeld von jeweils 10.000 Euro freuen: das Kinderheim „Kleine Strolche“, der Deutsche Kinderschutzbund Grafschaft Bentheim, der Verein Kinderglück Dortmund, das Bildungswerk Deutschland e.V. sowie der Verein „Nestwärme“.

In den nächsten Wochen werden alle Förderpreis-Gewinner 2019 in einer Serie im Detail vorgestellt.

Den Anfang macht das Kinderheim „Kleine Strolche“, das mit der Unterstützung der Swiss Life Stiftung einen dringend benötigten Sprachtherapieraum für traumatisierte Kinder einrichten kann. Hier geht’s zum Film über das Kinderheim

„Ohne Sprache keine Bildung“: Der Swiss Life Förderpreis ermöglicht den Bau eines Sprachtherapieraums für traumatisierte Kinder

Sprachtherapieraum im Kinderheim „Kleine Strolche“
Mit dem Fördergeld kann der dringend benötigte Sprachtherapieraum kleinkindgerecht hergerichtet werden.

„Fang mich, fang mich, fang mich!“, ruft die dreijährige Sophie und rennt voller Begeisterung über den kleinen Spielplatz. Es ist ein trüber, nebelverhangener Nachmittag im November – doch Sophie strahlt trotzdem über das gesamte Gesicht und wird nicht müde zu laufen.

Auf den ersten Blick ist Sophie ein ganz normales, fröhliches Kind. Doch das kleine Mädchen lebt mit ihrer Mutter in der Mutter-Kind-Wohngruppe im Kinderheim „Kleine Strolche“. Die „Kleinen Strolche“ sind einer der Gewinner des Swiss Life Förderpreises 2019 und bieten Kindern wie Sophie ein sicheres Zuhause. „Die Kinder und Mütter, die zu uns kommen, haben schon einiges durchgemacht. Unser Auftrag ist es, die Erziehungsfähigkeit der jungen Mütter herzustellen, um das Kindeswohl zu sichern“, berichtet Bernhard Schubert, Gründer, Heimleiter und Geschäftsführer der „Kleinen Strolche“. Die Gründe für eine Erziehungsunfähigkeit seien vielfältig und reichen von Drogen- und/oder Alkoholmissbrauch, Obdachlosigkeit bis hin zur fehlenden familiären Unterstützung bei sehr jungen Müttern, erzählt der 54-Jährige weiter. Bei den „Kleinen Strolchen“ lernen sie unter fachlicher Anleitung, ihre Kinder adäquat zu versorgen, d.h. einen geregelten Tagesablauf zu planen und auch einzuhalten. Darüber hinaus werden ihnen grundlegende Erziehungskompetenzen vermittelt. „Viele junge Frauen wünschen sich unbedingt ein Kind und eine eigene Familie, sind dann aber oft überfordert von der Aufgabe und der Verantwortung, die sie mit sich bringt.“, weiß Schubert.  

„Ohne Sprache keine Bildung und keine Chancengleichheit“

Bei den „Kleinen Strolchen“ soll mit dem Fördergeld ein Sprachtherapieraum für traumatisierte Kinder eingerichtet werden, „denn ohne Sprache keine Bildung und ohne Bildung keine Zukunftsperspektive und Chancengleichheit für diese Kinder“, so Schubert. Zudem seien Sprachentwicklungsstörungen häufig Folgen von Traumatisierungen, erklärt Schubert weiter. Die Projekte wurden zum größten Teil von Kolleginnen und Kollegen aus dem Innen- und Außendienst eingereicht. Der Tipp für die „Kleinen Strolche“ kam von Swiss Life Deutschland Mitarbeiter David Bussenius. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, Chancen im Leben zu bekommen. Bei den „Kleinen Strolchen“ bekommen Kinder Chancen, die sonst unter die Räder gekommen wären“, berichtet der 28-jährige.

Besonders bewegt hat viele Swiss Life Mitarbeitende das Schicksal der mittlerweile dreijährigen Lena, die vor einem Jahr zu den „Kleinen Strolchen“ kam. Sie war in Deutschland nirgendwo registriert und seit ihrer Geburt nur in ihrem Kinderbett eingesperrt. Als sie gefunden wurde, hatte sie den Mund voller Holzsplitter, denn vor Hunger und Langeweile begann sie, die Gitterstäbe zu essen. Sie kannte keine Umarmung, keine Außengeräusche und keine anderen Menschen. Bis heute spricht Lena kein Wort. „Aber jetzt lächelt sie wenigstens schon ab und zu. Gerade für Kinder wie Lena brauchen wir den Sprachtherapieraum dringend, den die Spende der Swiss Life Stiftung uns ermöglicht“, erläutert Schubert.

David Bussenius, Mitarbeiter Swiss Life Deutschland, und Bernhard Schubert, Leiter & Geschäftsführer „Kleine Strolche“, im Gespräch
Swiss Life Deutschland Mitarbeiter David Bussenius (links im Bild) reichte das Projekt „Sprachtherapieraum“ ein.

„Jeder hat ein Recht auf Kindheit“

Kleiner Junge sammelt Laubblätter im Garten des Kinderheims „Kleine Strolche“
„Jeder hat ein Recht auf Kindheit“ und die „Kleinen Strolche“ geben sie traumatisierten Kindern zurück.

Neben der Mutter-Kind-Wohngruppe beheimatet das 2008 gegründeten Kinderheim eine Inobhutnahmestation für Babys und Kleinkinder, eine therapeutische Wohngruppe, Bereitschafts-Erziehungsstellen sowie eine Inobhutnahme für Geschwisterkinder. An oberster Stelle steht für alle Heimmitarbeiter das Kindeswohl. „Neben einer verlässlichen Grundversorgung ist das Wichtigste, dass wir den Kindern Geborgenheit, Ruhe und Liebe schenken“, sagt Schubert. Staatliche Hilfen stellen lediglich die Grundversorgung der Kinder sicher. Daher sind die „Kleinen Strolche“ auf Spenden angewiesen, um zum Beispiel auch den akuten therapeutischen Bedarf in Form einer Sprach- und Pferdetherapie selbst abdecken zu können. Doch das alles interessiert die kleine Sophie nicht. Sie läuft noch immer ausgelassen mit ihren Spielkameraden und ihrer Mutter über den Spielplatz. Und hat zumindest in diesem Moment eine wirklich gute Zeit. „Wissen Sie, das ist das Schöne an unserer Arbeit. Jeder hat ein Recht auf Kindheit – und wir können sie diesen Kindern zumindest zu einem großen Teil geben“, resümiert Herr Schubert.